Der Holm

Es gibt Leute auf dem Holm, die behaupten, daß die Fischersiedlung auf dem Holm schon da war, als die Wikinger in Haithabu lebten und dort Handel trieben. Sicher ist, daß Schleswig auf eine sehr lange Vergangenheit blicken kann. Um Schleswig und seine angrenzenden Gebiete ranken sich viele Sagen und auch Märchen. Das kann nur dann entstehen, wenn da wirklich Leben war, und oft ist es so, daß die Grundgeschichte wahr ist, jeder Erzähler dieser Geschichte jedoch ein bißchen dazu gefügt hat.

Und es gab eine Menge Geschichtenerzähler, sozusagen das Radio der Vergangenheit. Ich möchte mich darauf beschränken über den Holm der Gegenwart zu berichten. Es gibt auch dort eine Menge Stoff.

Kirchhof mit Kapelle

Wenn man auf dem Holm wohnt, sozusagen als Butendieker in diese Umgebung kommt, ist es zunächst schwer zu verstehen, warum ausgerechnet der Friedhof, von den Holmern Kirchhof genannt, genau dort ist, wo sich das meiste Leben abpielt. Kinder spielen neben dem nicht sehr hohen Kirchhofzaun Fußball und wenn er dann über den Metallgußzaun hinwegfliegt ist es selbstverständlich, daß der Ball wieder aus dem Bereich geholt wird. Genau so selbstverständlich ist es, daß bei Beerdigungen auf dem Friedhof die Kinder am Zaun stehen und zugucken.

Aber auf dem Kirchhof kann natürlich nicht jeder beerdigt werden. Er muß schon Mitglied der Holmer Beliebung sein. Das ist eine Vereinigung der Bewohner des Holms und ihrer Familen, die 1650 gegründet wurde und es in jedermannes Belieben stand, ihr beizutreten. Im Plattdeutschen, was noch heute die Amtssprache auf dem Holm ist, sagt man: “De Doden mit Ehr unner de Eer” bringen. Das heißt übersetzt, die Toten mit Ehre unter die Erde bringen, was kurz nach der Pestzeit 1650 gar nicht so selbstverständlich war. Und so entstand 1650 eine Totengilde die auch heute noch, über 350 Jahre später ihren festen Bestand in der Holmer Gesellschaft hat.

Das gelbe Haus ist Süderholm 17

Der Süderholm nördlich des Friedhofes festlich für die Holmer Beliebung geschmückt

Dorit, meine Mutter mit dem Rücken zu uns, meine Schwiegermutter und ich, aufgenommen bei der 350 Jahr- Feier der Holmer Beliebung im Jahr 2000.

Heute hat das Ganze zwar die Überschrift Sterbeversicherung, aber auch heute noch werden die Toten nach den alten Sitten und auf dem Gottesacker, der Eigentum der Beliebung ist, unter die Erde gebracht. Die Sargträger kommen aus der Beliebung und tragen den schwarzen Anzug, die schwarze Krawatte, das blütenweiße Hemd und den Zylinder. Und es selbstverständlich, daß man zum Tragen erscheint, denn eine Entschuldigung ohne erstklassigen Grund gibt es nicht.

Einmal im Jahr wird gefeiert, nämlich wenn der scheidende Ältermann morgens vor der Versammlung abrechnet hat und um Klock 12 Uhr Nachts an den 2.Ältermann das Amt des Ältermannes übergibt. Auf dem Holm wird jeder Ältermann. Gleichzeitig mit dem Ausscheiden des alten Ältermannes rückt ein Mitglied in den Vorstand als Achter auf. Dann folgen 8 Jahre Amtszeit als Achter, dann 1 Jahr 2.Ältermann, dann Ältermann und dann wird das Amt weitergegeben. Aber bei mir ist das noch lange hin. Bis dahin wird beim rauschenden Fest am Abend der Amtsübergabe gefeiert. Dazu wird auch der Holm in sein Festtagsgewand versetzt. das ist ein wunderbares Fest und jeder Holmer freut sich schon darauf.

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